54
nikus als Heros. Dieselbe Büste, die auf dem Kapitol für Markus Brutus ausgegeben wird, und deren Aechtheit mein fysiognomisches Gefühl bezweifelt, war auch in dieser Sammlung, und ist wahrscheinlich ein Portrait des Corbu- lo, dessen Tochter (die Gemahlin Domitians) das Grabmahl erbauen ließ, in dem nun diese Kopfbüste gefunden ward. Erst in Neapel, in der Porzellanfabrik, zeigte mir Tischbein das einzig wahre Brustbild von Brutus. Eine der feinsten seelenvollsten Gesichtsbildungen – und Ach! dem Julius Cäsar bis zum Herzzerreissen ähnlich. Die Dämmerung bracht’ ich in vertraulicher Unterredung mit unserm geliebten Zoega in der Peters-Kirche zu. Wir verliessen den Tempel als eben der Mond hinter der Kolonnade emporstieg, und sein Silberlicht, tausendfach gebrochen, im sanften Geriesel der Fontainen herabtropfte. Wir fuhren zusammen unter die ernsten Ruinen des Campo Vaccino, wo dämmerndes Licht und schwarze Schatten, wie Gegenwart und Vorzeit, in ungeheuern Riesengestalten mit einander kämpf-