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des Genius, bis die erschreckliche Gruppe vor mir so zum athmenden Leben ward, daß ichs nicht länger aushalten konnte, sondern dem Anblick des höchsten Leidens (wie dort, auf dem schönen Bildwerk des Sarkofags, Orest den Furien in die Schatten des Oelzweiges) in den Schutz des Musengottes entfloh! Freundlich schwebte Apollo mir entgegen, wie von einem ewigen Lichtstrahl getragen! Ernst doch milde, und freundlicher, je mehr man ihm naht. Wie erquickte mich dies Lichtgebilde ewiger Heiterkeit, des höchsten seeligen Lebens und der sanftesten Ruhe, nach dem Anblick jenes erhabenen Schreckbildes, in dem aller menschliche Jammer, Körper- und Seelenschmerz, der Vater mit und für die Söhne sterbend, im unauflöslichen Todesknoten zusammengeschlungen ist!
Lange verweilte ich noch unter den reitzenden Sarkofagen, die hier, mit den lieblichsten Todesbildern wie mit duftenden Nachtblüthen umkränzt, so einladend offen stehn! Ach! so einladend – daß meinen schwermüthigen Gedanken nur immer die Wahl schwerer ward. Rüh-