Page:Tagebuch über Rom (IA tagebuchuberrom01brun).pdf/254

From LibMovIt
This page has been proofread

242

mäuer umher! Aus dem Schutt ragen die vereinzelten rothen Bruchstücke hervor! Durch die offenen Hallen strahlt das reine Himmelblau; da werden im fernen Raume, wie durch optische Spiegel, die schönsten Landschaften magisch enthüllt; und der glücklichste Erfinder wäre, der getreu diese fertigen und sogar ein gerahmten Gemählde aus den Hallen des Coliseums und Palatins abkopierte.

Mächtige immer grüne Eichen umschwärzen die Gründung des Berges, Gemüsegärten grünen in den öden Räumen zwischen den Ruinen, schwere Mauermassen schweben oft in seltsamsten Gleichgewicht; üppige Gewinde dickästigen Eppichs umranken sie, und scheinen das Versinkende zusammenzuhalten. Ans den wildesten Trümmern an unzugangbaren Oertern blickt die mahlerische Pflanze der Agave; der Goldlack (Cheiranthus cheiri) glänzt fernduftend in voller Blüthe, der Blumen liebenden Charlotte oft unerreichbar; die zarte Anemome nemorosa steht im Schatten des wilden Gebüsches von Cytisus, Viburnum, und blühendem Genst.