Page:Tagebuch über Rom (IA tagebuchuberrom01brun).pdf/413

From LibMovIt
This page has been proofread

401

allein viel halbes Licht, verschleierte Wahrheit, Symbol des Lebens!

Wie leise unzeichnet diese schmeichelnde Erhellung die vier ungeheuern Tragpfeiler des Domes, und sendet perspektivische Schlaglichter zwischen sie hindurch, bis in die fernsten Enden des Kreutzes! Wie leicht umfaßt man heute den ganzen Riesengedanken, von der Kuppelhöhe, die wie eine schwebende Götterwohnung emporsteigt, bis hinab in die äussersten Arme des Kreutzes! Still gleiten die Menschenströme einander vorbey. Man gehet, kömmt, verschwindet vor einander, aus Licht und Glanz in Dämmerung und Halbschatten. Wie wurden die Marmorgräber so zauberisch beglänzt! – Alle Härte verschwand, nur das Schöne ward versichtbart; besonders ward Cannova's Monument wie verklärt.

Schattenähnlich gleiten die Volksmengen leise auf und ab, hin und her! Man hört keine rauhen Töne, nur fernes Hallen flüsternder Stimmen im weiten Raume. Oft setzte ich mich in die Halbschatten der Seiten-Kapellen, und die Won-