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Hier standen wir auf den weissen Marmorquadern, die der gepriesene Kaiser betrat, wenn er durch die ungeheure schwebende Gallerie, welche von seinem Pallast nach dem Amfitheater gieng, das grausame Schauspiel besuchte. Von hier aus ist der Anblick der Massen, welche die Ruinen der Bäder des Titus auf dem Esquilin bilden, sehr frappant. Hier ist die schönste Reihe der hohen Bogengänge, die rings um die Logen des Hauptstockwerks giengen, in einer großen Strecke erhalten. Dies waren die Corridors, wo man sich von Sitzen ausruhte, bey bösem Wetter hinflüchtete, u.s.w. Wir stiegen in die Sitze der römischen Frauen oder Matronen. Nicht ohne Abscheu konnt’ ich daran denken, daß Weiber diesen Blutspielen zusahen. Aber dieser Abscheu stieg bis zum Entsetzen, als man mir sagte, daß unter Commodus und Heliogabalus die römischen Matronen mit den wilden Bestien kämpften, und daß in des milden Trajans Regierung 10,000. Fechter in drey Tagen auftraten; zehntausend Kämpfer auf Leben und Tod!